CinemaNegro, Revisited

Die Idee ist einfach :

In Brasilien wurde die Sklaverei vor 118 Jahren gesetzlich abgeschafft. Dennoch hält das soziale Ungleichgewicht zwischen der schwarzen und weißen Bevölkerung Brasiliens bis heute an. Diese Realität wird in den Film- und insbesondere der Fernsehgeschichte (den “telenovelas”) nicht als Problem dargestellt, sondern der “Schwarze” repräsentiert hier oft den “Bösen”, den Banditen oder Hausangestellten. Bis heute beherrschen Stereotypen des “Schwarzen” die telenovelas, während sich das Bild der Afro-Brasilianer im Kino der letzten Jahren schon stark verändert hat.”

cinemanegroheader.jpg


Das Festival im Kino Babylon-Mitte vom 16.- 22. November zeigt Filme aus Brasilien ab den 60er Jahren, die die Afro-Brasilianer von einem anderen Standpunkt aus betrachten, als es in der öffentlichen Meinung der Fall war. Es werden sowohl Spiel- als auch Dokumentarfilme gezeigt.

Diese und die anderen ausgewählten Filme sollen einen breiten Einblick in die Geschichte der schwarzen Bevölkerung Brasiliens, seit Ende der Sklaverei bis in die heutigen Tage, geben. Dabei geht es allerdings nicht nur ernst, sondern auch hoch ironisch und unterhaltsam daher.

Dıe Filmemacherin Annemarie Thiede ist mir ein Begriff. Sie hat naemlich den Film “Radio Favela” gemacht der am Dienstag als der laengste Kurzfilm gezeigt wird. Die Geschichte über einen Radiosender der anfangs illegal unter dem vielen politischen sowie polizeilichen Druck gelitten und mittlerweile sich in einen legalen Bildungsradio verwandelt hat.

meu_tio_matou.jpg

Nun aber wer steht hinter diesem Festival ? Wer hat das möglich gemacht ?

Der Schlüsselmann hier ist Sydney Martins und wir hatten die Möglichkeit gestern abend bisschen über ihn, über sein Festival und über Gott und die Welt zu erfahren.

Er macht das schon lange. Nicht weil er Ruhm und Namen machen möchte sondern eher weil er es halt machen muss. Er muss Sachen nach seiner Ansicht für anderen sehbar machen. Er dreht auch selber. Und organisiert dieses Festival in Berlin. Dieses Jahr sind Regisseuren wie Eduardo Coutinho, Marise Barbosa, Jorge Furtado, Annemarie Thiede und Joel Zito Araujo dabei. Mit den meisten ist er befreundet und das ganze sind auch fast nur aus freundschaftlichen Beziehungen entstanden.

“Ein Freund von mir” sagt Sydney, “hat die gesamte Werbematerial gemacht und ein anderer die Web Seite. Irgendwann habe ich keine Freunde mehr.”

Jedoch kann man schlecht glauben, dass Sydney ohne Freunde sein könnte, denn er ist warmherzig und ehrlich und redet kein Unsinn sondern drückt sich sehr klar aus. Auch im politischen sowie sozialem.

negacao.jpg

“Angenommen wir haben 100 Tonnen Kartoffeln produziert und Europa möchte aber dieses Jahr nur 5 Tonnen davon haben. Wir sind mit Vertraegen gezwungen 95 Tonnen Kartoffeln ins Meer zu kippen, denn wir dürfen sie nicht an den armen in unserem eigenen Land verteilen. Wir dürfen es einfach nicht.”

Auf die Frage warum er sich mehr an Geschichten der schwarzen konzentriert hat, beantwortet er auch ganz trocken:

“ıch bin halt schwarz und ich weiss am besten was ich erlebe. Es gibt natürlich auch weisse arme und hilfebedürftige in Brasilien aber um deren Geschichte sollte sich jemand anderer kümmern und versuchen darüber zu erzaehlen.”

netto.jpg

Dass dieses Jahr viele Filme mit religiösen Themen zu sehen sind, ist ein Zufall, sagt Sydney Martins. Spiritismus hat eine Lange Geschichte in Brasilien, wie die Katholische Kirche und irgendwie sind beide in einem Land zusammengekommen, mit eine sehr breite Palette von guten, ehrlichen und glaeubigen Menschen bis zu Charlatanen. Einige sagen sogar, dass sie an nichts glauben aber selbst sie sind von den Geister gefangen, dass sie nicht nur alles über sie wissen sondern auch teilweise die Forderungen praktizieren. Regeln sind einfach. Geben und nehmen und genau das macht die Situation sofort reif zum abzocken.

Wer noch mehr über das Festival, die Filme und Tickets erfahren möchte, wird definitiv auf der Web Seite Cinema Negro beholfen.

Das Festival geht noch bis Dienstag und ist auf jeden Fall ein Besucht wert.

Comments are closed.


Terms of use | Privacy Policy | Content: Creative Commons | Site and Design © 2009 | Metroblogging ® and Metblogs ® are registered trademarks of Bode Media, Inc.